Die Demyelinisierung des zentralen Nervensystems tritt häufig bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS) auf. Myelin ist eine Schicht aus Phospholipidmembran, die Axone umgibt und eine schnelle Impulsleitung sowie den metabolischen Kopplungsprozess der Neuronen ermöglicht. Ist das Axon freigelegt, führt dies zu Axondegeneration und folglich zur Neuronendegeneration, was die Hauptursache für Funktionsstörungen und sogar Behinderungen bei Patienten mit demyelinisierenden neurodegenerativen Erkrankungen ist. Neben dem Verlust von reifem Myelin ist auch eine gestörte Myelinregeneration eine wichtige Ursache für den Krankheitsverlust. Myelin besteht aus Oligodendrozyten (OLs), die sich aus neuronalen Stammzellen (NSCs) zu oligodendrozytären Vorläuferzellen (OPCs) differenzieren und schließlich zu reifen Oligodendrozyten werden. Der Prozess der Myelinregeneration umfasst die Differenzierung von NSCs zu myelinbildenden Oligodendrozyten. Neuere Forschungen zeigen, dass dieser Prozess durch zahlreiche Gene reguliert wird. Mikro-RNAs (microRNA) sind wichtige Regulationsfaktoren bei neurodegenerativen Erkrankungen und bilden ein komplexes Regulationsnetzwerk im Verlauf der Myelinregeneration. Dieser Artikel fasst die wesentlichen molekularen Signalwege der Myelinregeneration und die daran beteiligten microRNAs zusammen, beschreibt deren Wirkmechanismen und Zielmoleküle und gibt einen Überblick über aktuelle Therapien der traditionellen chinesischen Medizin zur Förderung der Myelinregeneration sowie Medikamente mit neuroprotektiver Wirkung über microRNAs. Diese Übersichtsarbeit soll eine theoretische Grundlage und Forschungsleitlinie für zukünftige Studien zur Behandlung demyelinisierender Erkrankungen durch Regulation von microRNAs bieten.