Die Eizelle als Ursprung des Lebens liefert die Hälfte der Chromosomen für den Embryo und stellt die für die Embryonalentwicklung benötigten Proteine, Substrate und Energie bereit. Sie ist ein entscheidender Faktor für die Entwicklungsfähigkeit des Embryos. Unfruchtbarkeit, die durch reproduktive endokrine Erkrankungen verursacht wird, richtet sich letztlich auf die Eizellen, daher ist die Verbesserung der Eizellqualität ein Schwerpunkt der modernen Reproduktionsmedizin. Der Qualitätsverlust der Eizellen steht im Zusammenhang mit meiotischen Anomalien, DNA-Schäden, mitochondrialer Dysfunktion und oxidativem Stress. Derzeit gibt es keine einheitlichen internationalen Leitlinien zur medikamentösen Verbesserung der Eizellqualität. Aufgrund strenger klinischer ethischer Beschränkungen bei der Erforschung medikamentöser Interventionen an Eizellen beschränken sich die aktuellen Studien auf Tier- und In-vitro-Experimente und wurden bisher nicht klinisch angewendet. Traditionelle chinesische Kräuterformeln weisen multi-target- und multi-pathway-Regulationsmechanismen auf und werden in der Klinik weit verbreitet eingesetzt. Immer mehr Studien beschäftigen sich mit den potenziellen Mechanismen, durch die chinesische Kräuterformeln die Eizellqualität verbessern. Diese Formeln wirken synergistisch auf mehrere Ziele und Signalwege und bieten Vorteile in Bezug auf Sicherheit, Individualisierung und klinische Ethik. Der vorliegende Artikel bietet eine systematische Übersicht über den Forschungsstand zur Intervention chinesischer Kräuterformeln bei der Eizellqualität und gibt Zusammenfassung und Empfehlungen zur Verbesserung der Eizellqualität und zur Optimierung der chinesischen klinischen Behandlung weiblicher Unfruchtbarkeit.